Aug
25
2010

Offene Beziehung, Lösung und Problem zugleich

Es wird immer schwieriger in der heutigen, schnelllebigen Gesellschaft eine Beziehung aufrecht zu erhalten. Man ist vielen Störfaktoren ausgesetzt, so dass man nach Möglichkeiten suchen muss, damit fertig zu werden.

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Es ließe sich lange und ausführlich darüber diskutieren, woran es liegt, dass in der heutigen Gesellschaft die Scheidungsraten so hoch sind wie noch nie. Zumindest in urbanen Gebieten darf von einer extremen Entwicklung gesprochen werden, die durchaus Grund zur Sorge bieten würde. Was feststeht ist, dass viele Paare heutzutage nicht mehr gewillt sind Kraft, Ausdauer und Zeit in eine schwierige Beziehung zu investieren. Man könnte es damit erklären, dass es in der modernen Gesellschaft von heute schneller und einfacher fällt, neue Menschen kennen zu lernen, und es darum gar keine Notwendigkeit besteht, um eine kritische Beziehung zu kämpfen.

Die eigenen Sexualität wird offener und direkter ausgelebt als es noch in konservativeren Zeiten der Fall war, in denen Sex mehr als eheliche Pflicht und als Mittel zum Zweck angesehen wurde. Man wächst heute auch mit einer veränderten, romantisierten Auffassung von Liebe auf. Jeder wartet auf seine große Liebe und in Erwartung auf eine solche wird eine Beziehung, die der Alltag eingeholt hat und bei der die Schmetterlinge langsam verblassen, auch häufig vorschnell beendet. Viele Faktoren beeinflussen unser Verhalten in einer Beziehung und wie wir mit einer solchen umgehen. Einzig das ernüchternde Ergebnis ist klar und mit einfachen statistischen Zahlen zu erfassen.

Eine Art Ventil, um solchen Entwicklungen entgegenzusteuern, ist die offene Beziehung. Ein Paar beschließt unter gegenseitigem Einverständnis, dass man dem eigenen Beziehungstrott entfliehen will, der sich vielleicht bereits bis ins Schlafzimmer erstreckt. Man sieht die Lösung bei anderen Sexpartnern, die den Drang nach neuen sexueller Impulsen befriedigen, aber die alte Beziehung nicht gefährden. In der Theorie sorgt eine solch offene Herangehensweise dafür, dass die Beziehung sich wieder festigt. Vielleicht liegt es an der Erkenntnis, dass trotz allen sexuellen Bedürfnisse am Ende vor allem einfache Tugenden und Gefühle wie Vertrauen und Geborgenheit zählen. Man besinnt sich wieder auf die alten Werte.

Im richtigen Leben läuft es jedoch nicht immer so harmonisch ab. Nicht selten verliebt man sich in den vermeintlichen Sexpartner, der eigentlich nur die eigene Beziehung retten sollte. Stattdessen erweist sich der offene Umgang häufig als größere Gefahr als es die festgefahrene Beziehung anfangs war. Es ist ein schmaler Grad, auf dem man bei einer offenen Beziehung wandelt und es benötigt viel Vertrauen und ein großes Maß an physischer und psychischer Flexibilität, um eine tolerante Beziehung meistern zu können. Man sollte es sich genau überlegen, ob man mit einer solchen Zusatzbelastung umgehen kann. Denn auch wenn bei einer offenen Beziehung beide Partner bei anderen ihren sexuellen Ausgleich suchen, so muss jeder für sich trotzdem mit dem Gedanken fertig werden, dass der eigene Freund oder die eigene Freundin in den Armen einer anderen Person liegt.